Inklusionsprojekt an der Albert-Schweitzer-Mittelschule
Bayreuth – Im Rahmen eines vom Rollstuhlsportverein Bayreuth e. V. (RSV) initiierten dreitägigen deutsch-tschechischen Inklusionsprojekts, unterstützt aus dem europäischen Förderprogramm Interreg der Europäische Union, nahmen 60 Kinder, Jugendliche und Teamer aus Bayreuth und dem tschechischen Budweis teil. Darunter waren auch 15 Schulsanis der Albert-Schweitzer-Mittelschule Bayreuth (ASS) mit ihrem Betreuer.
Ziel des Projekts war es, den jungen Menschen nicht nur einen kulturellen Austausch zu ermöglichen, sondern ihnen vor allem die Bedeutung von Inklusion durch Begegnung, Bewegung und gemeinsames Handeln erlebbar zu vermitteln.
Tag 1: Ankommen, Kennenlernen und erste gemeinsame Schritte
Nach dem Einchecken der tschechischen Gäste in der Jugendherberge führte der Weg direkt in die ASS. Die erste Herausforderung ließ nicht lange auf sich warten, denn der gemeinsame Unterricht fand in englischer Sprache statt. Nach einer gemeinsamen Einführung in das Interreg-Projekt und das Thema Rollstuhlbasketball begann der eigentliche Austausch. Doch schnell wurde deutlich, dass Offenheit, Neugier und Teamgeist Sprachbarrieren in den Hintergrund rücken lassen. Durch verschiedene spielerische Aufgaben konnten sich die Kinder und Jugendlichen kennenlernen, gemeinsam lachen und erste Hemmschwellen abbauen. Was zunächst ungewohnt wirkte, entwickelte sich rasch zu einem lebendigen und sehr persönlichen Austausch.
Am Abend kehrten alle gemeinsam in die Jugendherberge zurück. Nach dem Abendessen sorgte ein kleines Mensch-ärgere-dich-nicht-Turnier für einen entspannten Tagesabschluss.
Tag 2: Inklusion verstehen, erleben und fühlen
Der zweite Projekttag stand ganz im Zeichen der Inklusion. In einer Theorieeinheit führten die Projektleiterin Dagmar van Hinte und Sebastian Gillsch (beide RSV) in die Ziele des Projekts ein. Im Anschluss wurde das Thema „Rollstuhl“ an drei Stationen im wahrsten Sinne des Wortes erfahrbar und die Kinder setzten sich intensiv mit dem Alltag im Rollstuhl auseinander. Neben einem Rollstuhlparcours mit Slalom, kleinen Steigungen, simulierten Bordsteinkanten und einer Wippe mussten die Teilnehmenden auch alltagsnahe Aufgaben wie das sichere Manövrieren am Pausenhof, das Türöffnen und den Transport eines Tabletts bewerkstelligen.
Nach dem erlebnisreichen Vormittag ging es gemeinsam zum Pizzaessen in die Bayreuther Innenstadt. Am Nachmittag folgte der sportliche Höhepunkt des Projekts. In zwei Sporthallen wurden für jeweils knapp 60 Minuten parallel Rollstuhlbasketballund Fußgängerbasketball angeboten. Der direkte Vergleich machte Unterschiede sichtbar, zeigte aber vor allem die vielen Gemeinsamkeiten: Teamgeist, Fairness, Dynamik und Begeisterung.
Der Tag endete wieder in der Jugendherberge bei einem Filmabend sowie Brett- und Kartenspielen.
Tag 3: Rückblick, Teamarbeit und Abschied
Der letzte Projekttag begann am Morgen in der Jugendherberge mit einem Actionbound (= digitale Schnitzeljagd) durch Bayreuth. In gemischten deutsch-tschechischen Teams lösten die Kinder und Jugendlichen Aufgaben, suchten bekannte Orte und lernten die Stadt und die Sehenswürdigkeiten (Hofgarten, Neues Schloss, Richard-Wagner-Museum, Opernhaus) ein wenig spielerisch kennen. Nur wer zusammenarbeitete und die Aufgaben erfolgreich meisterte, fand den Weg zurück zum bereitstehenden Bus.
Zum Abschluss fand eine gemeinsame Feedbackrunde statt. Die Kinder reflektierten ihre Erlebnisse und fassten zusammen, was sie in diesen drei Tagen gelernt hatten. Eine Aussage blieb dabei besonders hängen: „Inklusion ist mehr als Rücksicht – sie bedeutet, dass alle dazugehören, mitmachen können und gemeinsam stark sind.“
Fazit und Ausblick nach vorn
Gemeinsam mit dem tschechischen Partner Tigers Basketball České Budějovice und mit Unterstützung der Europäische Union konnte gezeigt werden, dass Inklusion keine Grenzen kennt. „Dieses Projekt hat gezeigt, wie schnell Inklusion Realität wird, wenn junge Menschen sich offen begegnen und gemeinsam aktiv sind. Es geht nicht darum, Unterschiede zu erklären, sondern sie im gemeinsamen Tun selbstverständlich werden zu lassen. Genau darin liegt die Kraft von Austauschprojekten wie diesem – und genau das nehmen die Kinder mit nach Hause,“so Dagmar van Hinte.
Der Gegenbesuch der deutschen Gruppe ist bereits geplant. Mitte Juni reisen die Schülerinnen und Schüler der ASS nach Budweis. Die Vorfreude auf das Wiedersehen mit den neuen Freunden und die Motivation ist groß.

